Rezension “Saeculum”

Direkt im Anschluss zur Rezension zu “Breathe-Gefangen unter Glas” findet ihr hier nun meine Rezension zu “Saeculum” von Ursula Poznanski.

Klappentext:
Du denkst, es ist eine harmlose Reise in die Vergangenheit, ein Spiel.
Doch dann greift die Vergangenheit nach dir und gibt doch nicht mehr frei.
Ist tatsächlich ein uralter Fluch wiedererwacht? 

Der Buchrücken ist erstmal nicht vielsagend, aber ist doch schon mal unheimlich und spannend, obwohl er mich wahrscheinlich nicht dazu bewegt hätte das Buch zu kaufen, dafür habe ich mir noch den erweiterten Klappentext im Buch durchgelesen, der deutlich mehr Infos gab. Den kompletten Klappentext findet ihr hier.

Worum geht es?
Der “Musterschüler” Bastian Steffenberg ist ein eher langweiliger Medizinstudent, der sein Studium an erste Stelle setzt und sonst nicht viel mit seiner Freizeit anzufangen weiß. Als er in der Universität die attraktive und lebhafte Sandra kennenlernt ändert sich dies schlagartig. Nach dem gemeinsamen Besuch eines Mittelaltermarkts überzeugt Sandra Bastian mit ihr und ihrer Roleplay-Gruppe “Saeculum” auf eine Convention zu fahren. Fünf Tage wollen sie in einen abgelegenen Wald fahren und dort leben wie im Mittelalter. Dort wollen sie ein Abenteuer durchspielen und kleinere Aufgaben (“Quests”) erledigen. Als ungefähre Zeitspanne hat sich die Gruppe das 14.Jahrhundert ausgesucht, das heißt alle Gegenstände, die nach dieser Zeit erfunden oder entdeckt wurden, dürfen nicht mit auf die Reise kommen. Darunter zählen unter anderem auch Handys, Brillen und Pflaster. Da Sandra ihn unbedingt dabei haben will und auch der sonst eher skeptische Gruppenleiter Paul Sympathien für ihn hegt, beschließt Bastian mitzufahren. Auch ein anonymer Anruf, der ihn warnt, nicht mitzufahren und ein Besuch seines erfolgsgeilen und strengen Vaters, der seinen Sohn auf einen Medizinkongress mitnehmen möchte, halten Bastian nicht davon ab an dem Abenteuer teilzunehmen. Als jedoch der bis dahin geheime Spielort bekannt gegeben wird, bricht in der Gruppe erste Unruhe aus: Angeblich lastet ein Fluch auf dem verlassenen Gelände. Trotz allem macht sich Saeculum auf den Weg und nach kurzer Zeit versteht Bastian die Welt nicht mehr: Sandra, die ihn unbedingt dabei haben wollte und der er ihm Laufe der Wochen näher gekommen ist, behandelt ihn plötzlich wie Luft, während Paul seinerseits merkwürdige Annäherungsversuche ihm gegenüber startet. Bastian beginnt den Grund seiner Teilnahme an dem Spiel zu hinterfragen, da verschwindet plötzlich der erste Spieler und mit ihm ein Amulett, das für seine Trägerin offenbar mehr war als bloß ein Schmuckstück…
Schnell steht für die Gruppe fest: Sie sind nicht allein im Wald!

Wie kam ich zu dem Buch?
Wie ich bereits berichtete habe ich das Buch bei einem Gewinnspiel auf der Leipziger Buchmesse gewonnen. Darüber habe ich mich sehr(!) gefreut, da ich das Buch unbedingt lesen wollte, da ich 2012 selbst das erste Mal auf einem LARP (Life Action Role Play) im Wald war und mich deshalb auch die Thematik von “Saeculum” sofort angesprochen hat.

Meine Meinung:
Erstmal muss ich sagen, dass das Buch optisch schon total klasse aussieht. Auf schwarz-weißen Cover ragen unheimliche Bäume in die Höhe, die perfekt zum Inhalt des Buches passen. Auch dass die Enden der Seiten schwarz waren fand ich ziemlich beeindruckend. Nun zum Inhalt: Ich fand das Buch genial. Vom ersten Moment an fand ich es spannend und habe es in 3 Tagen verschlungen. Zu Beginn war es etwas schwierig sich alle Namen der Spieler zu merken, vor allem, da viele durch das Rollenspiel auch noch einen doppelten Namen hatten. So wurde aus Bastian “Tomen Sehnenschneider” und aus “Steinchen” (was eh schon ein Spitzname war) “Kuno vom Fass”. Jedoch hat man ziemlich schnell den Durchblick, vor allem, da die Autorin einem den Gefallen tut und rasch beginnt die eigentlichen Namen der Charaktere wieder einfließen zu lassen, nachdem diese merken, dass etwas nicht stimmt.
Die Geschichte ist gut durchdacht, sodass alles am Ende einen Sinn ergibt und man doch gespannt auf jeden Schritt in der Handlung abwarten musste, ohne vorher viel erraten zu können. Ein paar Details an der Auflösung der Geschichte waren vielleicht etwas an den Haaren herbeigezogen, aber trotz allem fand ich es realistisch und unvorhersehbar!
Als Leser erreicht man irgendwann den Punkt, wo man nicht mehr weiß, was nun real ist und was Fiktion: Gibt es nun einen Fluch oder wurde alles von Menschen geplant? Außerdem werden immer wieder kleinere Geheimnisse angedeutet (wieso ist Sandra plötzlich so abweisend? Was will Paul denn immer? Wieso ist Bastian da? Was war an dem Amulett so wertvoll?) neben den tatsächlichen Fragen (Wo verschwinden die Spieler hin? Gibt es einen Fluch? Ist noch Jemand im Wald? Wer verfolgt Iris?), sodass man sich bei jedem angedeuteten Geheimnis fragen muss, ob es auch etwas mit der Geschichte zutun hat oder nur am Rande koexistiert. Sehr nervenaufreibend und fesselnd auf jeder Seite!
Mich persönlich hat natürlich auch das Setting und das Rollenspiel als Thematik gefreut, nicht nur, weil ich selbst schon etwas über das Rollenspiel wusste, sondern auch, weil es noch nicht viel darüber zu Lesen gibt und deshalb noch nicht so ausgelutscht ist. Aber auch für Nicht-Mittelalter-Fans und Nicht-Rollenspieler ist dieses Buch ein Muss!! Alle Unverständlichkeiten was das Spiel angeht, werden dem Leser erklärt, da Bastian selbst zum ersten Mal dabei ist und alles aus einer distanzierten und kritischen Perspektive sieht. (“Und Tomen, wie lautet euer voller Name? Was ist euer Handwerk? Was tut ihr, um Euer Geldsäckel zu füllen?”
“Wie immer, wenn Steinchen begann, >>mittelalterlich<< zu sprechen, fand Bastian es gleichzeitig amüsant und peinlich”, S.58)
Bastian hat nämlich eigentlich gar nichts mit dem Mittelalter oder dem Rollenspiel zutun, weshalb die Geschichte aus seiner und aus Iris’ Sicht geschrieben wird, die schon öfters an Rollenspielen beteiligt war und auch regelmäßig auf Mittelaltermärkten Harfe spielt, sodass sich eigentlich jeder mit dem Geschriebenen identifizieren kann. In Bastian konnte man sich als Leser sehr gut hineinversetzen. Bei mir persönlich kommt noch hinzu, dass seine Augen nur gering schlechter sind als meine eignen und somit konnte ich mir gut vorstellen, wie viel er ohne seine Brille tatsächlich sieht Wink

Ich würde diesen Roman jedem empfehlen, der gerne Thriller liest!
5 von 5 Sternen von mir!

Über das Buch:

Titel: “Saeculum”
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 493
ISBN: 978-3-7855-7028-9
Preis: (D) 14,95 Euro