Rezension “Der lockende Ruf der grünen Insel”

Guten Abend ihr Lieben,
Ich hatte ja angekündigt, dass ich häufiger Rezensionen schreiben möchte, also folgt hier nun meine Rezension von Erin Quinns “Der lockende Ruf der grünen Insel”. Das Buch ist im BasteiLübbe Verlag erschienen, umfasst 462 Seiten und kostet in Deutschland 7,99 Euro. (ISBN: 978-3-404-18762-1)

Der Klappentext beginnt mit einem Versprechen: “Ein mysteriöser Fremder, eine verlorene Frau und ein Furcht einflößendes Vermächtnis“.
Da der weitere Klappentext etwas irreführend ist, versuche ich euch einfach die Handlung grob zusammenzufassen. Worum geht es also in dem Roman? Die Amerikanerin Danni Jones lebt alleine mit ihrem Hund Bean in Arizona. Sie hat keine Familie mehr, seit ihre Mutter sie mit sechs Jahren eines Tages nicht mehr vom Kindergarten abgeholt hat. Sie scheint sich damit auch abgefunden zu haben, bis eines Tages der Ire Sean Ballagh an ihrer Haustür klopft und sie mit nach Irland mitnehmen will, wo angeblich ihre Familie sie seit ihrem Verschwinden sucht. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Danni Sean sieht. Kurz vor seiner Ankunft hat sie ihn in einer Vision gesehen. Nach anfänglicher Zweifel, überzeugt Sean Danni schließlich, mit ihr nach Irland zu fliegen. Zwischen Danni und Sean kommt es sehr schnell zu Spannung und beide haben das Gefühl einander schon länger zu kennen. Als ihr Entschluss schließlich feststeht ihn zu begleiten, finden sie sich plötzlich nach einer im Traum gemeinsam verbrachten Nacht in Ballyfionúir, ihrer beider Heimatstadt wieder. Doch zu ihrem Schrecken befinden sie sich in 20 Jahre in der Vergangenheit. Dies stellen sie fest, als sie auf einen vierzehnjährigen Sean und eine fünfjährige Danni treffen. Hinzu kommt, dass Danni vor ihrer Zeitreise in einem Artikel im Internet gelesen hat, dass Sean in der Nacht, in der seine Mutter verschwand, starb. Daraus folgert sie, dass es sich bei dem Mann an ihrer Seite um einen Geist handeln muss, behält diese Erkenntnis allerdings erstmal für sich. Schon bald wird ihnen klar, dass sie sich nur wenige Tage von dem Verschwinden Dannis und Seans Tod entfernt befinden und es beginnt ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, um Herauszufinden, was Finsteres in jener Nacht passiert ist. Ob das sagenumwobene Buch von Fennore eine Rolle spielt, das Danni immer wieder in unheilvollen Visionen erscheint?

Ich kann gleich zu Beginn sagen, dass mich der Roman leider nicht richtig überzeugen konnte. Mehrfach war ich versucht ihn abzubrechen. Natürlich war die Idee mit der Zeitreise und dem Geheimnis, sehr spannend, allerdings bleiben für mich am Ende noch Fragen offen (u.a. welche Rolle spielt die sagenumwobene weiße Frau?). Gestört hat mich auch oft, dass ich die Handlungen der beiden Hauptcharaktere Danni und Sean nicht nachvollziehen konnte, sie erzählen sich wichtige Dinge nicht (z.B. braucht Danni fast 300 Seiten um Sean zu fragen, ob er tatsächlich ein Geist ist), während sie sich körperlich jedoch schon sehr schnell sehr nahe kommen. Danni war mir zudem auch oftmals zu naiv. Einmal beispielsweise sieht sie den mit blauen Flecken versehrten Rücken ihrer Mutter und die einzige Lösung, die ihr dafür einfällt ist, dass sie sicherlich Hingefallen sein muss- sie zieht nicht mal in Betracht, dass sie Folgen von Misshandlung sein könnten, obwohl vorher Hinweise auf eine problematische Ehe zwischen ihr und ihrem Mann angesprochen werden. Gestört hat mich auch die übertrieben dargestellte Spannung und Begierde zwischen den beiden Figuren, da sie manchmal einfach fehl am Platz wirkte. So hat Danni einen Zusammenbruch unter der Dusche, nachdem sie in einer Vision sieht, wie Jemand der ihr Nahe steht eine Affäre hat, die sie verletzt. Kurz darauf kommt sie aus der Dusche und ist erstmal sehr fertig, aber kurz darauf wird ihr Begehren für Sean beschrieben, dass sie seinen Körper genauer mustert… diese Schwankung zwischen Trauer und Begierde wirkt hier äußerst erzwungen. Zudem hat mich gestört, dass die Personen sich oft nicht die Wahrheit gesagt haben und wenn es dann mal zu klärenden Gesprächen kam, wurden diese in abgehackten Sätzen ausformuliert und relativ kurz gehalten, während Liebesszenen zwischen Danni und Sean seitenweise erzählt wurden, sodass ich oft auch einfach ganze Seiten nur überflogen oder sogar ganz übersprungen habe. Was mich ebenfalls gestört hat, war, dass Seans und Dannis Liebe als vollkommen beschrieben wird, dann jedoch so ein Satz im Buch vorkommt: “Im ersten Moment befürchtete er, sie könne es sich anders überlegt haben, und war versucht, sie anzuschreien, sie festzuhalten und mit Gewalt zu nehmen. Aber es war keine Zurückweisung, die er gesehen hatte.” (S.287) Diesen Satz fand ich ein wenig verstörend und das er im Kontext von zwei so verliebten und füreinander bestimmten Menschen genutzt wurde, empfinde ich als höchst unpassend.

Das war jetzt doch relativ viel Negatives. Ich muss dem Buch jedoch zu Gute halten, dass mein Interesse besonders in den letzten Kapiteln geweckt war, da ich natürlich wissen wollte, wie es weiter geht und wie sie das ihnen drohende Schicksal abzuwenden versuchen. Das Ende und die für mich überraschende Wendung hat mir dann wieder gut gefallen. Da war ich wirklich zwischendurch sehr gespannt, wie die Autorin das noch gerade biegen wollte.

Fazit: Das Buch würde von mir nicht mehr als 3 Sterne bekommen.

Da ich das Bild vom Buch nur mit meinem Handy geschossen habe, gibt es nicht viel her. Allerdings kann man sich das Cover noch mal genauer auf Amazon ansehen.