Rezension “Ein plötzlicher Todesfall”

Hallo ihr Lieben,
heute mal was ganz Neues von mir. Nachdem mein Erstling “Dämonenschicksal” nun schon einige Male rezensiert wurde und ich viele verschiedene Rezensionen gelesen habe, überfiel mich die Lust einmal selbst eine zu schreiben. Dafür habe ich mir das Buch ausgesucht, was ich gerade gelesen habe: “Ein plötzlicher Todesfall” von J.K. Rowling. Ich bin gespannt auf eure Meinung und würde mich freuen, wenn ihr mir in einem Kommentar mitteilen würdet, wie ihr die Rezension fandet und ob ich so etwas öfters machen sollte.

Rezension- “Ein plötzlicher Todesfall” von J.K.Rowling

Einer der umstrittensten Romane zurzeit ist J.K.Rowlings “Ein plötzlicher Todesfall”. Die Rezensionen auf Amazon könnten unterschiedlicher nicht sein. Viele haben sich das Buch gekauft, da es aus der Feder der Harry-Potter-Autorin stammt und wurden dann mit einem Inhalt ganz anderer Art konfrontiert.

Das Buch wurde tituliert als: “J.K.Rowlings erster Roman für Erwachsene”. Auf der Rückseite stehen bloß vier Zeilen:

Ein großer Roman
über eine kleine Stadt
von einer der besten
Erzählerinnen der Welt.

Das kam mir alles sehr mysteriös vor. In einer Buchhandlung in Hamburg habe ich dann mal in das Buch herein gelesen. Die ersten Seiten klangen interessant, aber wahrscheinlich hätte ich das Buch nicht gekauft, da mir 25 Euro für ein Buch, von dem ich nicht genau wusste, worum es ging, zu viel waren. Meine Mutter ließ sich jedoch nicht davon abhalten und kaufte das Buch. Was für mich natürlich gelegen kam, denn so konnte ich mir das Buch ausleihen und ebenfalls lesen.

Worum geht es?

Es geht um die Einwohner der fiktiven Kleinstadt Pagford, die nahe der Stadt Yarvil am Fluss Orr liegt. Pagford ist ein kleines, unberührtes, traditionelles Fleckchen Erde, in dem die Bürger größtenteils schon seit Generationen leben. Der Gemeinderat von Pagford ist weitgehend von Yarvil unabhängig. Die Bürger von Pagford stehen der Stadt Yarvil eher feindlich gegenüber, da sie ihre Grenzen immer weiter in Richtung ihrer scheinbar idyllischen Heimat ausbreitet. Schließlich zieht ein reicher Mann in eine verlassene Villa Pagfords und wird anfänglich mit Freude aufgenommen, doch als er das umliegende Land seiner Villa an die Stadt Yarvil verkauft, erntet er rasch das Missfallen der Bewohner. Noch schlimmer: Yarvil beschließt Sozialwohnungen auf dem Grundstück, das seitdem “Fields” genannt wird, zu errichten.

Fields ist der Knackpunkt der Geschichte. Der Roman beginnt mit dem Tod des allseits beliebten Barry Fairbrother, der auf natürliche Weise auf den ersten Seiten des Romans stirbt. Sein plötzlicher Todesfall (passend zum deutschen Titel), sorgt für einen freien Platz im Gemeinderat, der in Pagford das Sagen hat.

Seit Jahren ist Fields ein Streitpunkt im Gemeinderat. Fields-Gegner wollen den sozialen Brennpunkt zurück in die Zulässigkeit der Stadt Yarvil drängen, da sie nicht weiter für die Kosten der Bewohner aufkommen wollen, die sie als “Abschaum der Gesellschaft” ansehen. Zudem befürworten Fields-Gegner ebenfalls die Schließung der Klinik Bellchapell, einer ehemaligen Kirche, die nun als Drogenklinik fungiert. Mit Barrys Tod ist das Gleichgewicht der Stimmen durcheinander gebracht und beide Seiten stellen neue Kandidaten zur Wahl, die darüber entscheiden sollen, was mit Fields passiert. So beginnt ein anfangs politischer Kampf, der im Laufe der Zeit die Kandidaten sowie deren Familien und Freunde, menschlich und psychisch belasten wird. Als dann plötzlich geheime Postings auf der Webseite des Gemeinderats des Nutzers “Der_Geist_von_Barry_Fairbrother” beginnen Geheimnisse über die Kandidaten zu verbreiten, droht das Ganze aus dem Ruder zu laufen…

Einige der zentralen Figuren

Tatsächlich leben in Fields einige Familien mit Drogenproblemen, u.a. die Familie Weedon. Die komplette Familie ist riesig, doch im Mittelpunkt stehen Krystal Weedon, ihr dreijähriger Bruder Robbie Weedon und deren drogenabhängige Mutter Terri. Terri nimmt Heroin und lässt sich von ihrem Dealer immer wieder auf illegale Deals ein, während Krystal versucht das Familienleben aufrecht zu erhalten, in dem sie Robbie in die Kindertagesstätte bringt und in der Wohnung aufräumt. Ihre Mutter startet derweil ihren dritten Entzugsversuch bei der Klinik Bellcapell. Krystal hatte ein gutes Verhältnis zu Barry Fairbrother, der ein Verfechter von Fields war, da er selbst dort gelebt hatte und Kyrstal dazu ermutigen wollte, ein Interview zu Gunsten von Fields zu geben.

Collin Wall, Miles Mollison und Simon Priece kandidieren für den Sitz im Gemeinderat. Doch bei jedem in der Familie gibt es ein Mitglied, das die Entscheidung beim Wahlkampf mitzumachen, nicht unterstützt, was unterschiedliche Folgen für die Kandidaten haben wird.

Stuart (Fats) Wall möchte seit einiger Zeit “authentisch” leben und verachtet somit alles, was ihm im Verhalten des Menschens “unnatürlich” erscheint. Als Sohn des stellvertretenden Schulleiters kriegt er dafür des öfteren Ärger mit seinem Vater, der sein rebellisches Verhalten (Schule schwänzen, rauchen, verspotten) nicht verstehen kann. Fats fühlt sich zu Fields hingezogen, da er glaubt, dass dort die authentischsten Menschen leben. Seit kurzem geht er mit Krystal Stuart aus, von der er sich sexuelle Experimente erhofft. Dabei distanziert er sich von seinem Jugendfreund Andrew (Arf) Priece, der Fats zunehmende Grausamkeit nicht versteht und sich stattdessen auf die neue Mitschülerin aus London, Gaia, konzentriert.

Dies sind nur wenige der vielen Figuren, die J.K. Rowling beschreibt. Zuerst einmal sind es verwirrend viele, doch wenn man kein Problem mit mehreren Namen hat, findet man schnell rein. Ein Verzeichnis zum Nachlesen gibt es allerdings nicht.

Meine Meinung

Zu Beginn muss ich sagen, dass mir das Buch eigentlich ganz gut gefallen hat. Meiner Mutter aber, die mir das Buch geliehen hat, hat es nicht wirklich gefallen und sie war enttäuscht. Man muss auch dazu sagen: Es passiert nicht wirklich viel. Das eigentlich Interessante an dem Buch sind die Charaktere und wie sie zueinander stehen, die zwischenmenschlichen Beziehungen also. Ich fand es interessant zu sehen, wer mit wem enden würde, wer wen ins Verderben stürzt und welche ungeahnten Freundschaften/Liebschaften/Wendungen entstehen würden… Wer also mehr Interesse an Action und Handlung hat, kann leicht enttäuscht werden. Wer aber gern etwas über Intrigen, und menschliches Handeln in Extremsituationen liest, sollte weiterlesen.

Negativist mir aufgefallen…

Zu Beginn hat mich der Stil und die sehr provokante Sprache etwas gestört, da ich das Gefühl hatte, J.K. Rowling benehme sich wie ein Teeniestar, der unbedingt das Kinder-image loswerden will (Harry Potter) und dies auf provokante Weise tut. Die Sprache ist oft derb und sexuell. Gestört hat mich zum Beispiel gleich im ersten Abschnitt, dass ein dickerer Mann (Howard Mollison) beschrieben wurde und das erste was Rowling über ihn schreibt ist:  ”Da sein gewaltiger Hängebauch bis auf die Oberschenkel reichte, mussten die meisten Leute sofort an seinen Penis denken, wenn sie ihn das erste Mal sahen. Sie überlegten, wann er ihn wohl das letzte Mal gesehen hatte, wie er ihn wusch und wie es ihm gelang, all das damit auszuführen, wozu ein Penis gedacht war.” (S.41). Damit konnte ich mich beispielsweise nicht wirklich identifizieren, da ich nicht gleich bei dicken Menschen an ihre Genitalien denke. Aber nach den ersten 60 Seiten wurde es meiner Meinung nach besser und bekam mehr Fluss. Ich hatte auch nicht mehr das Gefühl, dass hier gezwungen provoziert werden musste (oder ich habe mich zu dem Zeitpunkt schon daran gewöhnt). Weiterhin bleibt die Sprache jedoch teilweise vulgär, jedoch nur, wenn sie zur Lage passt, z.B. in der Sozialsiedlung Fields, wenn Krystal mit ihrer drogenabhängigen Mutter Terri streitet (dort fallen aber des öfteren Ausdrücke wie “Schlampe”, “Nutte” etc. weshalb ich das Buch nicht unbedingt für alle jüngeren Leser empfehlen würde).

Außerdem musste ich mich erstmal an die sonderbare Einteilung der Kapitel gewöhnen. Zuerst hat es für mich keinen Sinn gemacht, wie die Kapitel eingeteilt wurden, da nicht pro Kapitel ein Personenwechsel stattfand, sondern einfach mitten im Kapitel (oft ohne Absätze) einfach ein Personenwechsel stattfand. Irgendwann habe ich mich dann aber an die Einteilung gewöhnt und mich nicht mehr daran gestört.

Positivist mir aufgefallen…

Ich fand das Buch wirklich spannend. Ich wollte wissen, wer den Platz im Gemeinderat bekam, ich wollte wissen, welches Geheimnis die Familie Walls barg, ich wollte wissen, was mit Fields, der Klinik und den Charakteren passiert. Bei vielen wollte ich auch einfach wissen, ob ihre Beziehung die Ereignisse überleben würde. Das Ende des Buches habe ich förmlich verschlungen und über das Ende noch eine Weile nachgedacht, da es einen nicht sofort loslässt.

“Ein Plötzlicher Todesfall” wirkte auf mich gut geschrieben. Als J.K. Rowling beispielsweise die Wohnung der Weedons oder generell Fields beschreibt, konnte ich mir das alles sehr lebendig vorstellen.

Außerdem gab sie mir während des weiteren Verlaufs stets das Gefühl, alles gut recherchiert zu haben. Sowohl Gemeinderatszenen, als auch Familienszenen wirkten sicher und überzeugend.

Warnung

Ich muss alle zukünftigen Leser jedoch warnen: Das Buch verbreitet eine recht negative Stimmung. Es gibt viel Leid und alle möglichen Katastrophen, von Vergewaltigung, bis Drogensucht, Akne bis zu hässlichen Ehekriegen ist praktisch alles im Buch vorhanden. Eigentlich wirken alle Personen stets wütend oder werden Opfer von Wut. Jeder scheint seine eigenen Interessen zu befolgen. Was mich wirklich schockiert hat, waren die vielen schlechten Familienverhältnisse. Keines der beschriebenen Kinder hatte einen wirklich guten Draht zu seinen Eltern und auch die Eltern bezeichnen ihre Kinder teilweise als “Abschaum”, “Pickelfresse”, “Schwuchtel” und “Schlampe”, was ich doch sehr heftig fand. Aufgrund von Schimpfwörtern, aber auch expliziten Sex- und Gewaltszenen würde ich das Buch nicht jedem Harry Potter Fan (besonders nicht den jüngeren) empfehlen.

Fazit

Trotz negativer Stimmung, hat mich das Buch sehr in den Bann gezogen, was mir bei Büchern sehr wichtig ist, weshalb es mir gut gefallen hat. Den großen Hype um das Buch würde ich zwar nicht unterstützen, aber wer Interesse an vor allem menschlichen Beziehungen, Intrigen und Geheimnissen hat, wird sicher Gefallen an J.K. Rowlings neuem Roman finden.

Ich würde dem Buch 4 von 5 Sternen geben.

Über das Buch:

Titel: “Ein plötzlicher Todesfall”
Autor: J.K.Rowling
Englischer Titel: “A Casual Vacancy”
In Deutschland erschienen im Verlag: Carlsen
Seiten: 575
ISBN: 978-3-551-58888-3
Preis: (D) 24,95 Euro

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